Briger Deklaration zur Bedeutung des Faches Philosophie für die Umwelterziehung, zur Weiterleitung an die UNESCO (Brig, Juni 2022)

Als PhilosophInnen und VertreterInnen angrenzender Wissenschaften stellen wir fest, dass das Fach Philosophie besonders gute Beiträge zur Umwelterziehung leisten kann. In Fortführung der Pariser Erklärung zu Philosophie von 1995, die die Bedeutung weltweiter philosophischer Bildung hervorhob, wird auch am Thema Naturethik deutlich, wie sehr philosophische Bildung auch in der gegenwärtigen Klimakrise helfen kann.

Seit der Antike ist das Nachdenken über den Menschen in seiner Welt in verschiedenen Kulturen zum Thema gemacht worden. Besonders die Kritik am Anthropozentrismus einer zweckorientierten Ethik hat zu der Einsicht geführt, dass Menschen als Teil der Natur zu sehen sind, dass nicht alles sich ihren Zwecken fügen muss und dass wir in ökologische Zusammenhänge eingebunden sind. Der Begriff der Umwelt könnte also durch den der Mitwelt ersetzt werden, wie sie z.B. in den ostasiatischen und afrikanischen Philosophien immer schon als Koexistenz und Transzendenz von Mensch und Natur gedacht worden ist. Die Philosophie kann auf holistische Modelle, auch in außereuropäischen Kulturen, zurückgreifen, die helfen können, die Dichotomie von Mensch und Natur aufzuheben und zu einem respektvollen Umgang mit der Natur zu erziehen.

Das ist auch deshalb angezeigt, da eine technologisch überformte Natur aus dem Gleichgewicht ist, an Biodiversität verliert und als Lebensgrundlage der Menschheit massiv bedroht ist.
Der Eigenwert der Natur ist in der Philosophie schon lange vor der ökologischen Krise erkannt worden und sollte in die Lehre der Philosophie an Schulen und Hochschulen eingehen. Daher ist die Förderung philosophischer Bildung in verschiedenen Bereichen unser Anliegen, das wir gerade in der aktuellen Situation bedrohten Menschseins zu unterstützen bitten. Denn kritische Reflexion verschiedener Naturverhältnisse und ihrer Konsequenzen kann helfen, zu einem sinnvollen verantworteten Verhalten gegenüber einer schützenswerten Natur zu führen. Anthropologie, Natur- und Technikphilosophie sowie Ethik als Teildisziplinen der Philosophie sollten daher den Raum bekommen, den sie für Bewusstseinsbildung, besonders der Jugend, brauchen, um angemessene Handlungsdispositionen hervorzubringen.

Daher wollen wir
- Daran erinnern, dass seit ihrem Anfang alle Philosophie in Ost, West und Süd sich für ein gutes Leben des Menschen auf Grundlage der Natur eingesetzt hat.

- Anmerken, dass z.B. das stoische Prinzip eines naturgemäßen Lebens oder die buddhistische Auffassung eines Miteinanders aller Lebewesen ähnliche Denkrichtungen bezeugen

- Darauf aufmerksam machen, dass , wo immer in der Philosophie die besondere Rolle des Menschen beschrieben wird, die Rationalität in Verantwortung für Mensch und Natur mündet.

- Aufzeigen, dass philosophische Konzepte als Ausdruck globalen und interkulturellen Denkens ihre Entsprechung in der Gesamtheit des Lebens auf der Erde finden, da Philosophieren genauso wie ökologische Systeme keine nationalen Grenzen kennt.

- Bewusst machen, dass das Vertrauen in die kritische Kraft philosophischer Reflexion immer schon fruchtbare Lösungen für die wesentlichen Lebensgrundlagen von Natur und Mensch ermöglicht hat.

- Darauf hinweisen, dass die Philosophie technologische und digitale Systeme kritisch reflektieren und auf einen für Mensch und Natur verantwortbaren Umgang hinwirken kann.

- Betonen, dass Krieg neben der Vernichtung menschlichen Lebens eine fürchterliche Bedrohung für Umwelt und das Klima darstellt.

- Die Überzeugung wecken, dass Übung im philosophischen Denken menschliche Aktivitäten in Richtung Biodiversität , Nachhaltigkeit und Klimastabilität fördern kann, wie auch eine friedliche Entwicklung der Menschheit, die auf der Würde jedes Lebewesens basiert.

- Vorschlagen, dass philosophische Dialoge im Kern der UNESCO Bildungs-Programme verankert sein sollten.

- Abschließend feststellen, dass die früheren Bemühungen der UNESCO um die Vermittlung von Philosophie in allen Bildungsinstitutionen der Welt daher wirksam fortgeführt werden sollten.

SIGNATURES / UNTERSCHRIFTEN :
Michael Zurwerra, Rektor der Fernfachhochschule Schweiz/ Dr. Gabriele Osthoff-Münnix, Düsseldorf, Präsidentin der Association Internationale des Professeurs de Philosophie / Prof. Richard Stahel, Direktor der Slovakischen Akademie der Wissenschaften, Bratislava / Dr. Natascha Hebestreit, Fernfachhochschule Schweiz / Prof. Hans Bringeland, Universität Bergen, Norwegen/ Prof. Andrzej Kaniowski, Institut für Ethik, Universität Lodz, Polen/ Michael Henzen, Fernfachhochschule Schweiz, Dr. Anna Deplazes-Zemp, Ethikforschungszentrum der Universität Zürich / Dr. Bernd Rolf, Kevelaer/ Dr. Gisela Raupach-Strey, Universität Halle / Yvonne Ganz, CH Effretikon ZH / Prof. Nancy Billias, University College St. Joseph, West Hartford, Connecticut / David Christie, Zürich / Dr. Klaus Feldmann, Universität Wuppertal / Dr. Bianca Boteva-Richter, Universität Wien / Graham Parkes, Professsional Research Fellow der Universität Wien / Nathalie Jossen, CH Naters VS / Prof. Aneta Karageorgieva und Prof. Nikoleta Nikolova, beide Universität Sofia, Bulgarien / Prof. Hsueh-i Chen, Universität Taipeh, Taiwan / Anja Bouron, Fernfachhochschule Schweiz / Dr. Werner Busch, Melsdorf, Ehrenpräsident der Association Internationale des Professeurs de Philosophie / Dr. Ewa Wyrebska- Dermanovic, Berlin / Michael Hof, CH Hochfelden / Prof. Andreas Oberprantacher, Universität Innsbruck / Prof. Riccardo Sirello, Savona, Italien / Eva Dedeckova, PhD, Institut für Philosophie, Akademie der Wissenschaften, Bratislava, Slovakei / Prof. Aleksandar Chumakov, Lomonossov Universität Moskau, Prof. Ram Adhar Mall, Ehrenpräsident der Gesellschaft für Interkulturelle Philosophie / Prof. Mohamed Turki, Tunis /Recklinghausen / Dr. Evrim Kutlu, Universität Köln/Istanbul / Dr. Barbora Badurova, Bratislava / Marco Schepers, Vorsitzender des Fachverbands Philosophie Deutschland / PD Dr. Markus Wirtz, Universität Köln / Satu Honkala, Finish National Agency for Education / Prof. Stephan Grätzel, Universität Mainz / Prof. René Torkler, Universität Kiel

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